Wir trauern um Dr. Ondrej Pöss
24.04.2026Mit großer Bestürzung und in tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem langjährigen Weggefährten Dr. Ondrej Pöss, der am 20. April von uns gegangen ist. Als Wissenschaftler und Minderheitenpolitiker war er über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit der karpatendeutschen Gemeinschaft in der Slowakei. Sein Tod ist ein herber Verlust für die Karpatendeutschen sowie für die gesamte europäische Minderheitenfamilie.
Als langjähriger Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei und als Gründer des Museums der Kultur der Karpatendeutschen hat Dr. Pöss über Jahre Verantwortung getragen. Ihm war wichtig, die karpatendeutsche Kultur zu bewahren und zu zeigen. In der Zusammenarbeit war er herzlich, humorvoll und blieb auch dann gelassen, wenn es schwierig wurde. Viele von uns kannten ihn zudem als regelmäßigen Gast bei den FUEN-Kongressen und AGDM-Jahrestagungen.
Dr. Ondrej Pöss wurde am 7. November 1950 in Krickerhau (Handlová) geboren. Er studierte Mathematik und Physik an der Comenius-Universität in Pressburg (Bratislava) und arbeitete später am Historischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, wo er unter anderem eine Abteilung leitete.
Ab 1994 wurde er im Slowakischen Nationalmuseum mit dem Aufbau des Museums der Kultur der Karpatendeutschen beauftragt. Er begann allein, ohne Räume und ohne Sammlung. 1997 wurde das Museum offiziell eröffnet und er zum Direktor ernannt. Bis 2021 leitete er die Institution. In dieser Zeit organisierte das Museum Ausstellungen in der ganzen Slowakei sowie in Deutschland, Österreich und Ungarn. 2011 war eine Ausstellung des Museums im Deutschen Bundestag zu sehen. Zum Museum gehören eine spezialisierte Bibliothek, die Publikationsreihe „Acta Carpatho-Germanica“ sowie eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte und Kultur der Karpatendeutschen.
Auch im Karpatendeutschen Verein blieb Dr. Pöss über viele Jahre eine feste Größe. Seit den frühen 1990er-Jahren engagierte er sich dort, war 1991 Mitgründer einer Ortsgruppe in seiner Heimatregion und wurde ab 1994 regelmäßig in die Landesleitung gewählt. Von 2003 bis 2008 stand er dem Verein als Vorsitzender vor und übernahm den Vorsitz 2013 erneut. Dieses Amt hatte er bis März 2026 inne. Anschließend blieb er dem Karpatendeutschen Verein als Ehrenvorsitzender eng verbunden.
Viele kannten ihn auch als Autor: Er veröffentlichte wissenschaftliche Texte und Bücher über die Karpatendeutschen und schrieb seit 1992 hunderte Beiträge für das Karpatenblatt.
Für sein Wirken erhielt Dr. Pöss mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande (2012, verliehen durch Bundespräsident Joachim Gauck), das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich (2014) sowie die Goldene Medaille der Slowakischen Republik (2020).
Seit 1976 war Dr. Pöss mit der Juristin Katarína Pössová verheiratet, seit 1982 lebten beide in Pressburg.
Mit Dr. Ondrej Pöss verlieren wir einen Menschen, der die karpatendeutsche Kultur- und Erinnerungsarbeit über Jahrzehnte getragen und geprägt hat. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Ehefrau und allen Angehörigen.
Lieber Ondrej, wir werden dich sehr vermissen und werden dein Andenken stets in Ehren halten. Ruhe in Frieden.
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