Terezija Stojsits: Standhaft für Minderheitenrechte und Chancengleichheit
20.03.2026„Women of Minorities“-Interviewreihe (#4)
„Die eigene Mutter- oder Erstsprache ist die wichtigste – und alle anderen reihen sich daran.“
Terezija Stojsits ist Burgenlandkroatin aus Österreich, Juristin, Politikerin und eine der prägenden Stimmen für Menschenrechte und Minderheitenschutz. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Südburgenland, erlebte sie früh, was es bedeutet, als Mädchen und als Angehörige einer Minderheit mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert zu sein.
„Mädchen, die ehrgeizig waren, mussten doppelt ehrgeizig sein“, erinnert sie sich. Die ungleichen Chancen im Bildungsbereich und fehlende Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe prägten ihren weiteren Weg. Früh wurde ihr klar, dass echte Veränderungen politische Rahmenbedingungen brauchen.
Stojsits wuchs zweisprachig auf, eine Erfahrung, die ihr Verständnis für die Bedeutung von Sprache bis heute prägt. Sie kritisiert entschieden jede Abwertung von Minderheitensprachen: „Ich finde es furchtbar, wenn man Menschen ihre eigene Sprache verbieten oder geringschätzen will.“
Als Abgeordnete zum Österreichischen Nationalrat setzte sie sich über viele Jahre hinweg für Gleichberechtigung, Minderheitenrechte und gesellschaftliche Teilhabe ein. Sie war insgesamt 17 Jahre Mitglied des Nationalrates und anschließend sechs Jahre als Volksanwältin tätig. Ihr politisches Engagement war dabei stets von Widerständen begleitet, bis hin zu offenen Anfeindungen im Parlament, wenn sie ihre Reden auf Kroatisch begann.
Auch außerhalb des Parlaments blieb ihr Einsatz nicht ohne Risiko: Als Minderheitenaktivistin wurde sie Ziel eines rechtsextrem motivierten Anschlags. Dennoch hielt sie an ihrem Engagement fest.
Ihr politisches Selbstverständnis ist klar: Gleichheit, Unabhängigkeit und Emanzipation sind keine individuellen Privilegien, sondern müssen aktiv erkämpft werden. Besonders Frauen seien nach wie vor strukturell benachteiligt. „Das Wichtigste für eine Frau ist ihr eigener Beruf und ihr eigenes Geld – das schafft Unabhängigkeit“, betont Stojsits.
In unserem neuesten Video für das „Women of Minorities“-Projekt spricht sie über ihren Weg, über Diskriminierung und darüber, warum politisches Engagement notwendig ist, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Gleichzeitig richtet sie eine klare Botschaft an die nächste Generation: Man dürfe sich nicht einschüchtern lassen, weder als Frau noch als Angehörige einer Minderheit.
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Hintergrund: Das Projekt „Women of Minorities“
Das Projekt „Women of Minorities“ ist eine Initiative der FUEN und zielt darauf ab, die Repräsentation und die Rechte von Frauen in Minderheitengemeinschaften in ganz Europa zu stärken.
Ausgehend von einer Umfrage unter den FUEN-Mitgliedsorganisationen zeigte sich, dass Frauen in den Organisationen zwar repräsentiert sind, Führungspositionen jedoch überwiegend von Männern besetzt werden. Obwohl viele Organisationen die Prinzipien der Geschlechtergleichstellung kennen, mangelt es häufig an offiziellen Richtlinien und Schulungen. Hindernisse wie fehlende Förderung, mangelndes Bewusstsein und Stereotypen behindern die Gleichstellung.
2023 und 2024 organisierte die FUEN zu diesem Thema Veranstaltungen in Wien und Athen, die auf großes Interesse stießen. Ein weiteres Treffen fand vom 1. bis 3. Dezember 2025 in Budapest unter dem Titel „Equal Political Participation and Representation“ statt.
Weitere Informationen finden Sie auf womenofminorities.eu.

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