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Wir trauern um Gianclaudio Bressa

Mit großer Bestürzung und Trauer nimmt die FUEN Abschied von Gianclaudio Bressa, der plötzlich und unerwartet im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Mit ihm verlieren Italien, Südtirol und die europäische Minderheitenfamilie einen Politiker, der sich über Jahrzehnte für Autonomie, Minderheitenschutz und ein gutes Zusammenleben verschiedener Sprachgemeinschaften eingesetzt hat.

„Gianclaudio Bressa war ein Politiker, der die Anliegen der Minderheiten in die staatlichen Institutionen getragen hat. Für Südtirol, für die autonomen Regionen Italiens und für die Minderheitenpolitik in Europa war sein Einsatz von großer Bedeutung. Er kannte die politischen und rechtlichen Fragen genau, aber vor allem verstand er, dass Minderheitenschutz im Alltag wirken muss. Die FUEN ist ihm für seine klare Haltung und sein langjähriges Engagement sehr dankbar“, sagt FUEN-Präsidentin Olivia Schubert.

Gianclaudio Bressa wurde 1956 in Belluno in Italien geboren. Von 1996 bis 2018 war er Mitglied der italienischen Abgeordnetenkammer und über viele Jahre eine prägende Stimme in der italienischen Politik. Mehrfach wurde er im Wahlkreis Trentino-Südtirol gewählt, zunächst auf den Listen des Bündnisses „L’Ulivo“, später für den Partito Democratico. Insgesamt saß er 26 Jahre im Parlament in Rom. Zudem war er mehrmals Mitglied der italienischen Regierung, Vorsitzender der Sechserkommission und stellvertretender Vorsitzender der Parlamentsfraktion „L’Ulivo-Partito Democratico“.

Für Südtirol war Gianclaudio Bressa ein wichtiger Ansprechpartner und Unterstützer. Er kannte die besonderen Fragen der Autonomie und der sprachlichen Vielfalt in Italien genau und setzte sich dafür ein, dass die Anliegen Südtirols und anderer autonomer Regionen in Rom Gehör fanden.

Auch für die FUEN war Gianclaudio Bressa ein wichtiger Partner. Besonders im Zusammenhang mit der Minority SafePack Initiative erhielt die FUEN große Unterstützung von ihm. Während seiner Zeit als Regierungsmitglied im italienischen Parlament war sein Einsatz für das Projekt in Italien von großer Bedeutung.

Im Jahr 2022 wurde Gianclaudio Bressa mit dem FUEN-Preis ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung würdigte die FUEN seinen langjährigen Einsatz für autochthone nationale Minderheiten und Sprachgemeinschaften. Der damalige FUEN-Vizepräsident Daniel Alfreider, Stellvertretender Landeshauptmann der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, betonte in seiner Laudatio: „Mit seinem Handeln ist Gianclaudio Bressa ein Beispiel und Vorbild. Als Vertreter der Mehrheitsbevölkerung hat er nicht nur ein offenes Ohr, sondern hat durch aktives und konkretes Handeln über Jahrzehnte gezeigt, wie man Minderheiten in Ihrer Entfaltung unterstützen kann.“

Auch im Zusammenhang mit der Stärkung autonomer Regionen hat sich Gianclaudio Bressa verdient gemacht. „Für ihn ist die Autonomie eine Ressource, eine Art des Zusammenlebens und auch ein Ausgangspunkt für den Aufbau eines immer besseren Zusammenlebens“, so Daniel Alfreider im Jahr 2022.

Gianclaudio Bressa selbst verwies bei dieser Gelegenheit auf Artikel 6 der italienischen Verfassung: „Die Republik schützt mit besonderen Bestimmungen die sprachlichen Minderheiten.“ Das sei es, was er in seiner Regierungszeit getan habe, sagte er damals, im Bewusstsein, dass Europa, wie Romano Prodi sagte, eine Union von Minderheiten sei.

Mit Gianclaudio Bressa verlieren wir einen überzeugten Unterstützer der europäischen nationalen Minderheiten, einen Kenner der Autonomie und einen Politiker, der Brücken gebaut hat. Sein Tod ist ein Verlust für alle, die sich für Minderheitenschutz, sprachliche Vielfalt und ein friedliches Zusammenleben in Europa einsetzen.

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie, seinen Angehörigen und allen Weggefährtinnen und Weggefährten.

Wir werden Gianclaudio Bressa in dankbarer Erinnerung behalten. Ruhe in Frieden.

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