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10. Forum der Europäischen Minderheitenregionen befasst sich mit Künstlicher Intelligenz und Minderheitensprachen

Am 23. und 24. Oktober 2026 fand in Chur in der Schweiz das 10. Forum der Europäischen Minderheitenregionen statt. Vertreter aus Politik, Technologie, Wissenschaft und Kultur kamen zusammen, um über das Zusammenspiel zwischen dem kulturellen Erbe von Minderheiten und neuen digitalen Technologien zu diskutieren. Unter dem Motto „Minderheiten und Künstliche Intelligenz – Risiken und Chancen“ befasste sich die zweitägige Veranstaltung mit Strategien, wie weniger verbreitete Sprachen im digitalen Zeitalter bestehen und sich weiterentwickeln können.

Am Freitag, dem 23. Oktober, eröffnete FUEN-Präsidentin Olivia Schubert das Forum und betonte, dass Europa seine Stärke aus der Achtung seiner sprachlichen und kulturellen Vielfalt schöpft. Sie unterstrich die Notwendigkeit eines inklusiven, menschenrechtsbasierten Ansatzes im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Schubert verwies darauf, dass sich sowohl der Europarat als auch das Europäische Parlament derzeit mit den Herausforderungen der KI befassen. Umso wichtiger sei es, die Menschenrechte zu schützen und sicherzustellen, dass Minderheitensprachen auch im digitalen Raum präsent bleiben. Sie erläuterte die Hauptresolution der FUEN von 2026, in der die Europäische Union aufgefordert wird, die sprachliche Vielfalt bei der Umsetzung der EU-KI-Verordnung zu berücksichtigen. Zudem werden die nationalen Regierungen dazu aufgerufen, Sprachdaten zu sammeln und öffentliche Dienstleistungen zu digitalisieren. Die Resolution fordert außerdem eine menschliche Aufsicht, wenn KI bei Entscheidungen eingesetzt wird, die nationale Minderheiten betreffen. Schubert betonte, dass jede europäische Sprache eine gesicherte Zukunft in der digitalen Welt verdient.

Martin Bühler, Regierungspräsident des Kantons Graubünden, wies darauf hin, dass die Benutzerfreundlichkeit digitaler Anwendungen die alltägliche Sprachwahl beeinflusst. Wenn Technologien in einer Mehrheitssprache besser funktionieren, verändere dies die Gewohnheiten der Menschen und wirke sich auf Minderheitensprachen aus. Bühler ermutigte die Teilnehmenden, KI zu nutzen, um neue Möglichkeiten zu schaffen, die eigenen Sprachen zu sprechen, zu lernen und sich in ihnen auszutauschen.

Digitale Souveränität und regionale Initiativen

Marius Lukosiunas von der UNESCO stellte fest, dass von den rund 7.000 heute gesprochenen Sprachen lediglich 1.000 im Internet vertreten sind. Nicoletta Mariolini, Delegierte des Bundes für Mehrsprachigkeit in der Schweiz, erklärte, dass KI häufig Mehrheitssprachen bevorzuge. Sie betonte, dass es einen Unterschied mache, eine Sprache zu übersetzen oder die Gemeinschaft zu verstehen, die diese Sprache spricht.

Um die digitale Zukunft ihrer Sprachen zu sichern, sprachen sich regionale Vertreter für „digitale Souveränität“ aus. Damit ist gemeint, dass Sprachgemeinschaften über die notwendigen Ressourcen und technologischen Möglichkeiten verfügen sollen, um ihre Sprachen im digitalen Raum eigenständig weiterzuentwickeln.

Vertreter der Lia Rumantscha präsentierten ihre von der Sprachgemeinschaft ausgehende Digitalstrategie für das Rätoromanische. Dazu gehören Anwendungen wie die Android-Tastatur ClaviRom und das automatische Übersetzungssystem ALAS, das innerhalb von 178 Tagen bereits mehr als 460.000 Übersetzungen verarbeitet hat.

Shane Moynihan, Abgeordneter des irischen Parlaments und Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses für die irische Sprache, die Gaeltacht und die irischsprachige Gemeinschaft, stellte den irischen Digitalplan vor. Im Mittelpunkt stand dabei die Integration der irischen Sprache in die Bereitstellung alltäglicher öffentlicher Dienstleistungen. Neasa Ní Chiaráin präsentierte ABAIR, eine öffentliche Initiative zur Entwicklung von Spracherkennung und synthetischen Stimmen für die irische Sprache. Sie hob insbesondere die Bedeutung der Kontrolle der Sprachgemeinschaften über ihre eigenen Daten hervor.

Samuel Frontull, Forscher an der Universität Innsbruck und am Institut Ladin, demonstrierte die Fortschritte der ladinischen Sprachgemeinschaft bei der Nutzung des maschinellen Übersetzungssystems Tradutur, lokal auf Endgeräten ausgeführter KI-Anwendungen sowie spezieller Bewertungsverfahren zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit dieser Technologien.

Attila Rácz, einer der Leiter des IT-Clusters im rumänischen Szeklerland, berichtete über die Entwicklung eines KI-Chatbots, der ungarischsprachigen Menschen dabei helfen soll, lokale Verwaltungsverfahren in ihrer Muttersprache zu erledigen. Zudem stellte er einen Fahrplan mit acht Schritten vor, der Organisationen bei der erfolgreichen Einführung von KI-Lösungen unterstützen soll.

Brücken zwischen Technologieunternehmen und lokalem Fachwissen

Das Forum bot Gelegenheit zum Austausch darüber, wie globale Technologieunternehmen regionale Sprachen verantwortungsvoll fördern können. Vertreter von Lenovo und Motorola präsentierten ihre Initiative zur digitalen Inklusion indigener Sprachen (Digital Inclusion of Indigenous Languages Initiative). Im Rahmen dieser Initiative wurden mehr als 200.000 Wörter für eine ladinischsprachige Smartphone-Benutzeroberfläche lokalisiert. In Zusammenarbeit mit lokalen Kulturinstituten wurde außerdem das quelloffene maschinelle Übersetzungsmodell LiLa entwickelt.

Daan van Esch von Google erläuterte die Bemühungen des Unternehmens, Informationen in möglichst vielen Sprachen zugänglich zu machen. Er berichtete unter anderem, dass Smartphone-Tastaturen inzwischen rund 900 Sprachvarianten unterstützen. Darüber hinaus stellte er offene KI-Modelle wie Gemma vor, die linguistische Fachbereiche an Universitäten mit eigenen regionalen Sprachdaten trainieren können.

Zum Abschluss der Diskussionen fasste FUEN-Vizepräsident Sterică Fudulea die Chancen und Risiken von KI für Minderheiten zusammen. Einerseits berge sie die Gefahr einer kulturellen Vereinheitlichung, andererseits könne sie ein wirksames Instrument zur Wiederbelebung und Förderung von Sprachen sein. Voraussetzung dafür sei, dass die technologische Entwicklung einem grundlegenden Prinzip folge: „Nichts über uns ohne uns.“

Das 10. Forum der europäischen Minderheitenregionen, zu dessen Programm auch interaktive Ausstellungen gehörten, endete am Samstag, dem 24. Oktober, mit einer Führung durch Chur. Die älteste Stadt der Schweiz ist die Hauptstadt des Kantons Graubünden und Geburtsort des durch den Film „Alien“ bekannt gewordenen Künstlers Hans Ruedi Giger. Sein biomechanischer Stil zeichnet sich durch die Verbindung von Maschinen und organischen Elementen aus.

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