Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten
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FUEN-Delegiertenversammlung 2026 fordert stärkere Berücksichtigung von Minderheitensprachen bei künstlicher Intelligenz

Der dritte Tag des FUEN-Kongresses ist traditionell den Mitgliedsorganisationen gewidmet. Auf der Delegiertenversammlung, dem höchsten Beschlussorgan der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), blicken die Vertreterinnen und Vertreter der Minderheiten auf das vergangene Jahr zurück und treffen wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Organisation.

Die diesjährige Delegiertenversammlung fand am 19. September im Clarion Hotel Helsinki statt und war die erste unter der Leitung von FUEN-Präsidentin Olivia Schubert. Die Delegierten befassten sich mit den Tätigkeitsberichten des Präsidiums, der Generalsekretärin und der Arbeitsgemeinschaften, genehmigten den Finanzplan für 2027 und entlasteten das Präsidium.

In ihrem Bericht stellte FUEN-Präsidentin Olivia Schubert die Prioritäten des neuen Präsidiums vor. Dazu gehören die Stärkung der politischen Interessenvertretung der FUEN auf europäischer und internationaler Ebene, eine engere Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen und die Modernisierung des Verbandes. Sie betonte, dass die Arbeit der FUEN über die Organisation von Veranstaltungen und Treffen hinausgehen und konkrete politische Wirkung erzielen müsse. Zugleich gelte es, die Anliegen der Minority SafePack Initiative weiterzuverfolgen. Mit Blick auf die Zukunft unterstrich Schubert, dass Minderheitensprachen durch den technologischen Fortschritt nicht ins Hintertreffen geraten dürften, sondern auch in digitalen Anwendungen und bei künstlicher Intelligenz sichtbar und nutzbar bleiben müssten.

Generalsekretärin Éva Pénzes hob in ihrem Bericht die Arbeit des Sekretariats hervor, das die Kontinuität der Verbandsarbeit sichergestellt und die Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidium und den Mitgliedsorganisationen gestärkt habe. Seit dem vergangenen Kongress hat die FUEN mehr als 30 Veranstaltungen organisiert oder begleitet und über 40 politische und institutionelle Gespräche vorbereitet beziehungsweise geführt. Pénzes berichtete zudem über die erfolgreiche Einwerbung des ersten Erasmus+-Projekts der FUEN. Das Projekt startet im Oktober 2026 und eröffnet neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit in den Bereichen Jugend, Bildung und Kompetenzentwicklung.

Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, richtete ein Grußwort an die Delegierten und überbrachte die Grüße der Bundesregierung. Er würdigte die konstruktive Zusammenarbeit mit der FUEN und betonte die Bedeutung des grenzüberschreitenden Zugangs zu audiovisuellen Inhalten in Minderheitensprachen, insbesondere vor dem Hintergrund des Geoblockings. Fabritius unterstrich, dass Minderheitenschutz zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Demokratie und zum friedlichen Zusammenleben beitrage. Die FUEN bezeichnete er als unverzichtbare Brückenbauerin zwischen Minderheitengemeinschaften und politischen Institutionen.

Ein zentrales Ergebnis der Delegiertenversammlung war die Verabschiedung der Hauptresolution „Zu einem rechtsbasierten, gleichberechtigten, konformen und inklusiven Ansatz im Umgang mit KI und Minderheitensprachen“. Die Resolution fordert eine stärkere Berücksichtigung von Regional- und Minderheitensprachen bei der Entwicklung und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie weist darauf hin, dass viele Minderheitensprachen im digitalen Raum weiterhin unterrepräsentiert sind und dadurch nur eingeschränkt von neuen Technologien profitieren können.

Die FUEN fordert die Europäische Union auf, bei der Umsetzung des EU-KI-Gesetzes die Rechte von Minderheitensprachen zu berücksichtigen, und ruft die Europäische Kommission dazu auf, gezielte Fördermittel für KI-Anwendungen, Sprachtechnologien und digitale Sprachressourcen bereitzustellen. Nationale Regierungen werden aufgefordert, digitale öffentliche Dienstleistungen auch in Minderheitensprachen zugänglich zu machen. Technologieunternehmen sollen Minderheitengemeinschaften in die Entwicklung ihrer Systeme einbeziehen. Darüber hinaus fordert die Resolution einen europäischen Kooperationsrahmen, der Behörden, Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und Vertreterinnen und Vertreter der Minderheiten zusammenbringt. Sie betont zudem, dass künstliche Intelligenz bestehende Sprachenrechte ergänzen und nicht ersetzen darf.

Neben der Hauptresolution verabschiedeten die Delegierten 13 weitere Resolutionen:

  • Zum Schutz der Rechte der türkischen Minderheit auf Rhodos und Kos;
  • Zu den Rechten der mazedonischen nationalen Minderheit in Albanien;
  • Zur Anerkennung der Jenischen als fünfte nationale Minderheit in Deutschland;
  • Zur religiösen Autonomie und Religionsfreiheit der türkischen Minderheit in Westthrakien;
  • Zum Schutz der indigenen Völker und nationalen Minderheiten in der Ukraine;
  • Zum Recht auf die Verwendung des Katalanischen im Gesundheitswesen;
  • Zu Wahlen bei der griechisch-orthodoxen Stiftung des Balıklı-Krankenhauses in Istanbul;
  • Zur Sicherung des Sorbischen als lebendige Schulsprache in Sachsen und Brandenburg (Deutschland);
  • Zur Revitalisierung der Sprache und Kultur der Armânen/Wlachen;
  • Zur festen Verankerung von Regional- und Minderheitensprachen in der beruflichen Bildung;
  • Zur öffentlichen Förderung bretonischer Organisationen im Département Loire-Atlantique;
  • Zur Umsetzung einer durchgängigen volksgruppensprachlichen Bildung in Wien;
  • Zur Wiederherstellung der erworbenen Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien und zur Umsetzung des ukrainisch-ungarischen Minderheitendialogs.

Die Delegiertenversammlung befasste sich außerdem mit einer umfassenden Überarbeitung der FUEN-Satzung. Präsidentin Olivia Schubert erläuterte, dass bei externen juristischen Überprüfungen mehrere Unklarheiten und Unstimmigkeiten in der geltenden Satzung festgestellt worden seien. Ein vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) eingebrachter Vorschlag zur Änderung von Artikel 24 werfe zudem Fragen auf, die auch andere Satzungsbestimmungen betreffen. Anstatt einzelne Änderungen zu beschließen, wird die FUEN eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern einsetzen, die von den Mitgliedsorganisationen benannt werden. Diese soll die Satzung, die Wahlordnung und die Geschäftsordnung umfassend überprüfen. Die Arbeitsgruppe soll ihre Vorschläge dem Präsidium im Mai 2027 vorlegen. Ziel ist es, die überarbeitete Satzung auf dem Kongress 2027 zur Verabschiedung vorzulegen, damit sie vor den nächsten Wahlen im Jahr 2028 in Kraft treten kann.

Darüber hinaus erhielten die Delegierten Informationen über den Stand der Vorbereitungen für den FUEN-Kongress 2027, der in der slowenischen Region Istrien stattfinden und von der Italienischen Union (Unione Italiana) ausgerichtet wird, sowie für die EUROPEADA 2028 in Friaul-Julisch Venetien (Italien).

Die Delegiertenversammlung war eine der zentralen Veranstaltungen des 70. FUEN-Kongresses, der vom 17. bis 20. September 2026 im Clarion Hotel Helsinki stattfand. Der Kongress wurde erstmals in der finnischen Hauptstadt ausgerichtet. Gastgeber war Folktinget, die Schwedische Volksversammlung Finnlands. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter autochthoner nationaler Minderheiten und Sprachgemeinschaften aus etwa 20 Ländern kamen in Helsinki/Helsingfors zusammen.

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