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8. Jahrestagung der FUEN-Arbeitsgemeinschaft Bildung: Berufliche Bildung, Minderheitensprachen und KI im Fokus

Wie können Minderheitensprachen präsent bleiben, wenn junge Menschen von der Schule in die berufliche Ausbildung und ins Arbeitsleben wechseln? Was können Minderheitengemeinschaften von unterschiedlichen Bildungssystemen in Europa lernen? Und wie sollten Schulen auf den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz reagieren? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 8. Jahrestagung der FUEN-Arbeitsgemeinschaft Bildung, die vom 29. September bis 2. Oktober 2026 in Eupen (Belgien) stattfand.

Vertreterinnen und Vertreter von 16 Minderheitengemeinschaften aus 15 Ländern nahmen an der Tagung teil. Gastgeber war die FUEN-Mitgliedsorganisation ProDG in Zusammenarbeit mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und ihren Bildungseinrichtungen.

Die Tagung wurde im Kloster Heidberg von FUEN-Vizepräsident und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bildung Harald Stauder eröffnet. Er betonte die Bedeutung von Bildung für die Zukunft von Minderheitengemeinschaften, insbesondere für die Weitergabe von Sprache und Kultur sowie für die Vorbereitung jüngerer Generationen auf neue Entwicklungen wie künstliche Intelligenz. Moderiert wurde die Eröffnung von FUEN-Generalsekretärin Éva Pénzes.

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Jérôme Franssen, Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen der Regierung. Er verwies auf die weitreichenden Zuständigkeiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Beschäftigung und unterstrich die Rolle der beruflichen Bildung dabei, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen, den Arbeitsmarkt zu stärken und Sprache und Identität zu erhalten. Zudem hob er das duale Ausbildungssystem hervor, das in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine lange Tradition hat, sowie die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in einer Region, die eng mit Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden verbunden ist.

In ihrem Eröffnungsvortrag stellte Liesa Scholzen, Senatorin im Belgischen Senat und Co-Vorsitzende der ProDG, die historische Entwicklung und den heutigen politischen Status der Deutschsprachigen Gemeinschaft vor. Mit rund 80.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verfügt sie über ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung sowie weitreichende Zuständigkeiten, unter anderem im Bildungsbereich. Scholzen wies außerdem darauf hin, dass die politische Autonomie es der Gemeinschaft ermöglicht, auf lokale Bedürfnisse einzugehen, während die Zusammenarbeit mit benachbarten Regionen und Ländern weiterhin von zentraler Bedeutung ist.

Der erste Konferenztag widmete sich dem Bildungs- und Ausbildungssystem der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Ruth de Sy, Leiterin des Fachbereichs Unterrichtsorganisation im Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft, gab einen Überblick über das Bildungssystem und die Zuständigkeiten, die die Gemeinschaft innerhalb der föderalen Struktur Belgiens wahrnimmt.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der beruflichen Bildung. Dr. Verena Greten, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Aus- und Weiterbildung im Mittelstand und in kleinen und mittleren Unternehmen (IAWM), stellte das duale Ausbildungssystem in Ostbelgien vor. Rund 80 Prozent der Ausbildung finden in anerkannten Betrieben statt und werden mit allgemeinbildendem und berufstheoretischem Unterricht in Ausbildungszentren wie dem ZAWM Eupen und dem ZAWM St. Vith kombiniert. Nach den vorgestellten Zahlen finden 95 Prozent der Absolventinnen und Absolventen innerhalb von sechs Wochen nach Abschluss ihrer Ausbildung eine Arbeitsstelle.

Anschließend konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einem Besuch des ZAWM Eupen selbst ein Bild von diesem System machen und erfuhren mehr über die Verbindung von Unterricht und praktischer Ausbildung in lokalen Betrieben. Das Programm wurde mit einem Besuch im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft fortgesetzt.

Am zweiten Konferenztag wurde der Blick auf die berufliche Minderheitenbildung in Europa erweitert. Beispiele aus Slowenien, den Niederlanden, Kroatien und Finnland zeigten unterschiedliche Wege auf, Minderheitensprachen in die berufliche Bildung einzubinden, und machten zugleich Herausforderungen sichtbar, mit denen viele Gemeinschaften konfrontiert sind.

Für Slowenien stellte Alen Vugrinec, Vizepräsident der Ungarischen Selbstverwaltungsgemeinschaft von Pomurje/Muravidék (PMSNS/MMÖNK) und stellvertretender Direktor der Zweisprachigen Mittelschule Lendava, das zweisprachige Berufsbildungssystem im slowenisch-ungarischen Gebiet Prekmurje/Muravidék vor. Slowenisch und Ungarisch sind dort beide Unterrichtssprachen, und die Schülerinnen und Schüler erwerben berufliche Fachbegriffe in beiden Sprachen. Das Modell verbindet berufliche Qualifikationen mit zweisprachiger Kompetenz und kann die Chancen auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt verbessern. Gleichzeitig bleiben qualifizierte zweisprachige Lehrkräfte, aktuelle Unterrichtsmaterialien und die Entwicklung von Fachterminologie wichtige Herausforderungen.

Pieter de Zwart, Vorsitzender von De Fryske Beweging, stellte die Situation des Friesischen bei Firda vor, der größten Einrichtung der beruflichen Sekundarbildung in Fryslân (Niederlande). Niederländisch ist derzeit die offizielle Unterrichts- und Kommunikationssprache, während Friesisch nur als Wahlfach angeboten und von rund einem Prozent der Schülerinnen und Schüler gewählt wird. Firda arbeitet daran, die Stellung des Friesischen zu stärken, indem der Zugang zur Sprache ausgeweitet, das Bewusstsein für die Sprache und ihren beruflichen Mehrwert in die Ausbildungsgänge integriert und ihre Sichtbarkeit im schulischen Umfeld erhöht werden.

Aus Kroatien berichtete Milan Vukelić vom Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Jugend der Republik Kroatien über berufliche Minderheitenbildung als einen Bereich, der den Erhalt von Sprache mit beruflichen Kompetenzen, Beschäftigungsfähigkeit und Mobilität verbindet. Sein Vortrag verdeutlichte, dass gesetzlich verankerte Rechte allein nicht ausreichen, wenn qualifizierte Lehrkräfte, Fachterminologie, Unterrichtsmaterialien und institutionelle Unterstützung fehlen.

Online aus Finnland zugeschaltet war Eeva-Liisa Rasmus-Moilanen vom Sámi Education Institute (SAKK). Sie stellte die Rolle der beruflichen Bildung bei der Revitalisierung der samischen Sprache und Traditionen vor. Ihr Beitrag brachte die Perspektive einer indigenen Minderheit in die Diskussion ein und verdeutlichte die enge Verbindung zwischen beruflicher Bildung, Sprachweitergabe und der Bewahrung kulturellen Wissens.

Die anschließenden Länderberichte bestätigten, dass der Übergang von der allgemeinen Bildung in die berufliche Ausbildung für eine Reihe von Minderheitengemeinschaften weiterhin eine große Herausforderung darstellt. Die Berichte zeigten zudem, dass eine starke rechtliche Anerkennung einer Minderheitensprache nicht automatisch gewährleistet, dass sie im gesamten Bildungssystem und bis ins Berufsleben hinein verwendet wird.

In den verschiedenen Länderberichten zeigten sich wiederkehrende Herausforderungen: begrenzte Angebote in Minderheitensprachen in der beruflichen Bildung, ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften und geeigneten Unterrichtsmaterialien sowie Schwierigkeiten, die Verwendung der Sprache über die Pflichtschulzeit hinaus aufrechtzuerhalten. Während Beispiele der sorbischen, friaulischen, deutschen und türkischen Minderheit deutliche Lücken in der beruflichen Bildung aufzeigten, veranschaulichten die Diwan-Schulen in der Bretagne, wie Minderheitensprachen auch in berufliche Bildungswege einbezogen werden können.

Künstliche Intelligenz bildete den zweiten großen Schwerpunkt der Jahrestagung. In seinem Einführungsvortrag argumentierte Jakub Osuchowski von der Technischen Universität Opole (Polen), dass sich Bildung von der einfachen Frage lösen müsse, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen dürfen. Wichtiger seien Fragen danach, wann sie ohne KI arbeiten sollten, wie sie falsche Antworten erkennen können, welches Wissen sie weiterhin selbst beherrschen müssen und wie sich Prüfungs- und Bewertungsformen verändern sollten.

In der Diskussion ging es auch um die besonderen Chancen und Risiken von KI für die Minderheitenbildung. KI kann bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien, beim Sprachenlernen und bei der Unterrichtsvorbereitung unterstützen. In Slowenien nutzen Lehrkräfte KI beispielsweise bereits zur Erstellung zweisprachiger Materialien und zur Unterstützung bei Übersetzungen zwischen Slowenisch und Ungarisch, während Schülerinnen und Schüler sie für Recherchen, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Erklärungen einsetzen. Gleichzeitig müssen Fachterminologie und generierte Inhalte weiterhin sorgfältig überprüft werden. Erfahrungen aus Polen und Ungarn zeigten ebenfalls, dass kleinere Sprachen in KI-Systemen möglicherweise unterrepräsentiert sind und sprachliche, historische oder kulturelle Fehler ein Risiko darstellen. Die Diskussionen unterstrichen daher die Bedeutung von Fortbildungen für Lehrkräfte, kritischer Überprüfung und eines verantwortungsvollen Umgangs mit KI.

Die Jahrestagung endete mit Gesprächen über die künftige Zusammenarbeit, die weitere Arbeit der FUEN-Arbeitsgemeinschaft Bildung und ein Erasmus+-Projekt der FUEN. Die Diskussionen in Eupen machten deutlich, dass die Zukunft von Minderheitensprachen eng mit ihrer Präsenz über die allgemeine Bildung hinaus verbunden ist. Berufliche Ausbildung und Arbeitsleben sind daher zentrale Bereiche, um sicherzustellen, dass Minderheitensprachen auch über Generationen hinweg aktiv verwendet werden.

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Zur FUEN-Arbeitsgemeinschaft Bildung

Die Gründung der AG Bildung wurde im Rahmen des FUEN-Kongresses 2017 in Cluj/Klausenburg (Rumänien) vorgeschlagen. Im Mai 2018 kamen erstmals Vertreterinnen und Vertreter von Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion zusammen, um Erfahrungen im Bereich der Minderheitenbildung auszutauschen und die inhaltliche Ausrichtung der Arbeitsgemeinschaft zu diskutieren.

Dieses Treffen war die erste offizielle Jahrestagung der AG Bildung. Seitdem kommt die Arbeitsgemeinschaft jedes Jahr in einer anderen Minderheitenregion zusammen. Die Treffen bieten Gelegenheit, die Bildungssituation der jeweiligen Minderheit oder Minderheiten vor Ort kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu gewinnen. Zugleich dienen sie dazu, gemeinsame Pläne, Strategien und Schwerpunkte für die weitere Arbeit der AG zu entwickeln.

Weitere Informationen zur Arbeit der AG Bildung gibt es auf der edu-Plattform der FUEN.

 

 

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