Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten
Wählen Sie Ihre Sprache
  • EN
  • DE
  • DK
  • FR
  • HU
  • RU
  • TR

FUEN-Ausstellung im Europäischen Parlament eröffnet: Minderheitensprachen auf die europäische Agenda bringen

Europas Regional- und Minderheitensprachen standen am Dienstag in Brüssel im Mittelpunkt, als die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) ihre Ausstellung über nationale und sprachliche Minderheiten im Info Hub des Europäischen Parlaments offiziell eröffnete. Die Veranstaltung anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen brachte Vertreterinnen und Vertreter europäischer Institutionen, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Angehörige von Minderheitengemeinschaften aus ganz Europa zusammen.

Die Ausstellung wurde von der FUEN entwickelt und von Loránt Vincze, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der Interfraktionellen Arbeitsgruppe Traditionelle Minderheiten, nationale Gemeinschaften und Landessprachen, ausgerichtet. Zu den Rednerinnen und Rednern gehörten die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola, die Erste Vizepräsidentin Sabine Verheyen, FUEN-Präsidentin Olivia Schubert sowie Botschafter Andriy Zayats, Leiter des Verbindungsbüros des Europarates bei der Europäischen Union.

Die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola betonte, dass es in Europa nie darum gegangen sei, Menschen in eine homogene Gemeinschaft einzufügen. Vielmehr gehe es darum, eine Union zu schaffen, die für alle Menschen funktioniert und jedem die Möglichkeit zur Teilhabe gibt. Als Vertreterin des weltweit einzigen direkt gewählten transnationalen Parlaments wies Metsola darauf hin, dass sprachliche Vielfalt Europa bereichere, die demokratische Teilhabe stärke und Identitäten sowie Geschichte bewahre. Mit Blick auf die alarmierende Tatsache, dass mindestens 40 Prozent der weltweit rund 7.000 Sprachen gefährdet sind, würdigte sie die Intergruppe als eine der aktivsten Arbeitsgruppen im Europäischen Parlament und bekräftigte das Engagement des Parlaments für Mehrsprachigkeit und gegen Diskriminierung. Zudem würdigte sie die Arbeit der FUEN im Bereich des Minderheitenschutzes.

Die Erste Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Sabine Verheyen, Schirmherrin der Veranstaltung, hob die Mehrsprachigkeit als eines der prägenden Merkmale des Europäischen Parlaments hervor. Seine 24 Amtssprachen ermöglichen es den Abgeordneten aus den 27 Mitgliedstaaten, sich in ihrer eigenen Sprache an der parlamentarischen Arbeit zu beteiligen. Gleichzeitig können die Bürgerinnen und Bürger die europäische Politik in einer Sprache verfolgen, die sie verstehen.

Zugleich betonte Verheyen, dass die sprachliche Vielfalt Europas weit über diese Amtssprachen hinausreiche. Mit Verweis auf ihre Heimatregion Aachen beschrieb sie, wie Dialekte Verbindungen über die Grenzen zu Belgien und den Niederlanden hinweg schaffen. Solche Beispiele zeigten, wie Regional- und Minderheitensprachen die Beziehungen zwischen Menschen und Regionen stärken können.

Loránt Vincze unterstrich, dass Europas sprachliche Landschaft weit über die 24 Amtssprachen der Europäischen Union hinausgeht. Auf dem gesamten Kontinent überschreiten Sprachen und Gemeinschaften Grenzen und genießen sehr unterschiedliche Formen der Anerkennung und des Schutzes. Regional- und Minderheitensprachen seien ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte und Identität Europas und müssten auch künftig ihren Platz in Bildung, öffentlichem Leben und im digitalen Raum haben.

Vincze verwies zudem auf die wachsende Bedeutung der Technologie. Angesichts der zunehmenden Rolle künstlicher Intelligenz im Alltag dürften Europas kleinere Sprachen nicht zurückgelassen werden. Die sprachliche Vielfalt Europas müsse sich auch in der digitalen Zukunft widerspiegeln.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach über das seit 80 Jahren bestehende Autonomiemodell, das es der deutschsprachigen und der ladinischen Gemeinschaft in Südtirol ermöglicht habe, sich erfolgreich zu entwickeln. Nun sei es an ihnen, der Gemeinschaft der Nationen, die ihnen beim Erreichen dieses Status geholfen habe, etwas zurückzugeben.

Botschafter Andriy Zayats, Leiter des Verbindungsbüros des Europarates bei der Europäischen Union, hob die Bedeutung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen hervor, die derzeit 84 Sprachen schützt. Als weltweit einziges Abkommen, das speziell dem Schutz und der Förderung von Regional- oder Minderheitensprachen gewidmet ist, bietet sie einen international anerkannten Rahmen, der zum Erhalt des kulturellen Reichtums Europas beiträgt und eine wichtige Grundlage für Demokratien bildet. Zayats betonte, dass der Schutz dieser Sprachen nicht auf Kosten der Amtssprachen gehe. Zugleich seien die Feststellungen im Rahmen der Charta wichtige Maßstäbe für Länder, die einen Beitritt zur Europäischen Union anstreben. Er würdigte das gemeinsame Prinzip „In Vielfalt geeint“, das sowohl den Europarat als auch die Europäische Union leitet.

FUEN-Präsidentin Olivia Schubert rückte die Bedeutung von Sprache für die Minderheitengemeinschaften selbst in den Mittelpunkt. Für Millionen Europäerinnen und Europäer, die nationalen und sprachlichen Minderheiten angehören, sei Sprache eng mit Identität, Erinnerung sowie der Weitergabe von Wissen und Traditionen verbunden. Zugleich gehe es dabei um Rechte.

Schubert verwies auf die sehr unterschiedlichen Bedingungen, unter denen Minderheitensprachen in Europa bestehen. Einige genießen starken institutionellen Schutz und sind im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung, in den Medien und im politischen Leben präsent. Andere kämpfen darum, sichtbar zu bleiben. Die Ausstellung sei geschaffen worden, um den Menschen hinter diesen Sprachen ein Gesicht und eine Stimme zu geben und ihre Perspektiven direkt in die europäische Debatte einzubringen.

Mit Blick auf die Zukunft forderte Schubert eine stärkere Einbindung der Minderheitengemeinschaften in Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen. Beim Schutz von Minderheitensprachen gehe es auch darum, sicherzustellen, dass diese von künftigen Generationen weiterhin gesprochen, gelehrt und verwendet werden.

Das Programm wurde von zwei musikalischen Auftritten begleitet, die die sprachliche Vielfalt Europas widerspiegelten. Panna Katalin Demeter präsentierte Lieder auf Csángó-Ungarisch, während Pieter Gysbert Zijlstra friesischsprachigen Hip-Hop ins Europäische Parlament brachte. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Führung durch die Ausstellung.

Die Ausstellung stellt Europas nationale und sprachliche Minderheiten, ihre Sprachen, bestehende Schutzstandards sowie die Herausforderungen vor, denen Gemeinschaften bei der Bewahrung und Weiterentwicklung ihrer Identitäten begegnen. Ziel ist es, das Bewusstsein europäischer Entscheidungsträger zu stärken und den politischen Dialog über Minderheitenrechte und sprachliche Vielfalt zu fördern.

An der Veranstaltung nahm auch eine Delegation des Europäischen Dialogforums (EDF) der FUEN teil. Zu ihr gehörten FUEN-Präsidentin Olivia Schubert, die Präsidentin der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV), Johanna Kézdi, Jens A. Christiansen vom Südschleswigschen Verein, Bernard Gaida vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen und Gösta Toft vom Bund Deutscher Nordschleswiger.

Während ihres Aufenthalts in Brüssel führt die Delegation Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern des Europäischen Ausschusses der Regionen, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission. Im Mittelpunkt stehen Minderheitenrechte, Gleichstellungspolitik, der Zugang zu Informationen und audiovisuellen Inhalten in Minderheitensprachen sowie ein engerer Dialog mit den europäischen Institutionen.

 

Photo credits: © European Union 2026 - Source : EP

Pressemitteilungen