FUEN-Kongress beleuchtet die Zukunft von Minderheitensprachen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
18.09.2026Wie können öffentlich-rechtliche Medien sicherstellen, dass die sprachliche Vielfalt Europas im Zeitalter des rasanten digitalen Wandels, von Streaming-Algorithmen und künstlicher Intelligenz gedeiht? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des 70. Jahreskongresses der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) am Donnerstag, den 17. September, in Helsinki/Helsingfors. Rundfunkveranstalter, Journalisten und Medienexperten aus ganz Europa kamen zusammen, um die unverzichtbare gesellschaftliche Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender, die Herausforderungen bei der Einbindung der Jugend sowie die Chancen und ethischen Leitplanken beim Einsatz neuer Technologien zu diskutieren.
Das Panel „Sprachplanung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Minderheitensprachen“ wurde von Prof. em. Tom Moring von der Universität Helsinki moderiert. Er unterstrich die wesentliche Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien bei der Unterstützung von Minderheitensprachen, der Sichtbarmachung von Gemeinschaften und der Bereitstellung von Inhalten, die kommerzielle Medien oft nicht anbieten können. Während digitale Plattformen und künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten schaffen, verstärken sie auch den Wettbewerb mit Mehrheitssprachen und stellen kleinere Sprachgemeinschaften vor Herausforderungen.

Marit af Björkesten, CEO der finnischen Rundfunkgesellschaft Yle, betonte, dass öffentlich-rechtliche Medien Brücken zwischen Sprachgemeinschaften bauen sollten. Sie hob hervor, wie schwedischsprachige Programme durch finnischsprachige Sender ein breiteres Publikum erreichen können. Obwohl KI mehrsprachigen Journalismus unterstützen kann, betonte sie, dass kulturelles Verständnis und redaktionelle Verantwortung menschliche Beteiligung erfordern.
Daniela Draštata Flock, Chefredakteurin der Sender 1 und 2 beim Kroatischen Rundfunk (HRT), argumentierte, dass Minderheiteninhalte ansprechend und relevant sein müssen, um ein Publikum jenseits der einzelnen Gemeinschaften zu erreichen. Sie forderte, Minderheitenperspektiven in das Mainstream-Programm aufzunehmen und digitale Plattformen stärker zu nutzen, um jüngere Generationen zu erreichen. KI könne auch dazu beitragen, die Archive der Sender zugänglicher zu machen, merkte sie an, redaktionelle Entscheidungen müssten jedoch bei den Journalisten bleiben.
Bogna Koreng, Studioleiterin beim MDR in Deutschland, betonte, wie wichtig es sei, Minderheiten in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Ausgehend von den Erfahrungen des sorbischen Rundfunks hob sie den Erfolg hervor, junge Menschen direkt in die Inhaltsproduktion einzubinden. Sie wies auch auf das Potenzial digitaler Plattformen und von KI hin, um die begrenzte Verfügbarkeit sorbischsprachiger Inhalte, insbesondere für Kinder, zu erweitern.
Stanisław Wolny, stellvertretender Direktor von TVP3 Opole/Oppeln in Polen, stellte das „Schlesien Journal“ vor, ein Programm für die deutsche Minderheit. Er betonte, dass Sender zunächst über digitale Formate Beziehungen zu einem jungen Publikum aufbauen müssen, bevor sie es mit komplexeren Themen befassen. Er warnte zudem vor KI-generierter Desinformation und unterstrich die anhaltende Bedeutung von menschlichem Journalismus.
Das Panel demonstrierte, dass die Erhaltung von Minderheitensprachen erfordert, über den isolierten Nischenrundfunk hinauszugehen und Vielfalt aktiv in die Mainstream-Medienlandschaft einzubetten. Während digitale Tools, Social-Media-Formate und künstliche Intelligenz wertvolle Wege bieten, um ein jüngeres Publikum zu binden, Archive zu erweitern und Ressourcenengpässe zu überwinden, können sie das ethische Urteilsvermögen, die authentischen kulturellen Nuancen und die investigative Integrität menschlicher Journalisten nicht ersetzen. Sicherzustellen, dass Minderheitengemeinschaften ihre eigenen Geschichten auf gut finanzierten, stabilen öffentlich-rechtlichen Plattformen erzählen können, bleibt eine grundlegende Voraussetzung für die Förderung des demokratischen Zusammenhalts und des gegenseitigen Verständnisses in den europäischen Gesellschaften.

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