Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten
Wählen Sie Ihre Sprache
  • EN
  • DE
  • DK
  • FR
  • HU
  • RU
  • TR

70. FUEN-Kongress in Helsinki/Helsingfors eröffnet

Der 70. Jahreskongress der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) wurde am Donnerstagnachmittag im Clarion Hotel Helsinki offiziell eröffnet. Gastgeber des diesjährigen Kongresses ist das Folktinget, die Schwedische Volksversammlung Finnlands, die sich für den Schutz der Sprachenrechte und die Förderung der Stellung der schwedischen Sprache in Finnland einsetzt. Bis Sonntag kommen Vertreterinnen und Vertreter autochthoner nationaler Minderheiten, Nationalitäten und Sprachgemeinschaften aus ganz Europa in der finnischen Hauptstadt zusammen.

Die Eröffnungsfeier wurde musikalisch von einem Quartett des Frauenchors Lyran begleitet. Daniel Sazonov, Bürgermeister von Helsinki, begrüßte die Teilnehmenden in der finnischen Hauptstadt. In seiner Ansprache hob er die Identität der Stadt als lebendige, internationale und gut funktionierende zweisprachige Gemeinschaft hervor. Er wies darauf hin, dass der Anteil der schwedischsprachigen Bevölkerung in Helsinki über dem Landesdurchschnitt liegt, und betonte die starke und stabile Stellung des Schwedischen im Alltag. Die Einwohnerinnen und Einwohner könnten Dienstleistungen von der frühkindlichen Bildung über die Gesundheitsversorgung bis hin zur Arbeit des Stadtrats in ihrer Muttersprache in Anspruch nehmen.

Sazonov verwies zudem auf die zunehmende sprachliche Vielfalt Helsinkis. Die Stadt feierte kürzlich das Erreichen der Marke von 700.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit einer Kampagne, die auf die fast 160 verschiedenen Sprachen aufmerksam machte, die heute in Helsinki gesprochen werden. Zugleich betonte er, dass der Umgang mit dieser modernen Vielfalt „die Bedeutung des Finnischen und Schwedischen als unserer offiziellen Nationalsprachen nicht beeinträchtigen darf“. Er bekräftigte das Bekenntnis der Stadt zur Zweisprachigkeit und versicherte den Delegierten: „Helsinki ist und bleibt eine zweisprachige Hauptstadt.“

Henrik Wickström, Mitglied des finnischen Parlaments und Vorsitzender des Folktinget, begrüßte die Delegierten im Namen der gastgebenden Organisation. Er bezeichnete die Zweisprachigkeit Finnlands als einen Gewinn für das Land, betonte jedoch, dass sie nicht als selbstverständlich betrachtet werden dürfe, sondern kontinuierlich beobachtet, weiterentwickelt und geschützt werden müsse. Mit Blick über Finnland hinaus sprach er sich für ein Europa aus, in dem Regional- und Minderheitensprachen als europäische Sprachen anerkannt werden und uneingeschränkt in der Bildung, im öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen und in den Medien verwendet werden können.

„Sprachliche Vielfalt ist kein nostalgisches Relikt der Vergangenheit. Sie ist der lebendige Ausdruck der Demokratie, der Kreativität und der Menschlichkeit Europas“, sagte Wickström. „Wenn wir unsere Sprachen schützen, schützen wir keine Museen. Wir schützen Gemeinschaften, Identitäten und die Möglichkeit für jede europäische Bürgerin und jeden europäischen Bürger, mit der eigenen Stimme gehört zu werden.“

FUEN-Präsidentin Olivia Schubert begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der FUEN-Mitgliedsorganisationen in Helsinki/Helsingfors. In ihrer ersten Ansprache als FUEN-Präsidentin beschrieb sie die Organisation als eine „Gemeinschaft von Gemeinschaften“, die durch die Überzeugung verbunden sei, dass Europa stärker ist, wenn seine Vielfalt respektiert wird. Sie betonte, dass Minderheitenrechte ein Fundament der Demokratie bilden und auch in schwierigen Zeiten nicht in den Hintergrund gedrängt werden dürften. Zugleich hob sie die dringende Notwendigkeit digitaler Teilhabe hervor und warnte davor, dass keine europäische Sprache zu klein sein dürfe, um eine digitale Zukunft zu haben.

Schubert bezeichnete die Minority SafePack Initiative nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als eine fortbestehende Verantwortung für künftige europäische Entscheidungsträger. „Ein Land ist nicht stark, weil seine Minderheiten schweigen. Es ist stark, wenn Minderheiten selbstbewusst ihre Stimme erheben können“, erklärte sie. Sie rief Europa dazu auf, seine Vielfalt nicht zu fürchten, sondern sie zu schützen, zu unterstützen und stolz auf sie zu sein.

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung hielt Mikaela Nylander, Staatssekretärin des Bildungsministers, einen Impulsvortrag über die Sprachenplanung im Bildungs- und Kulturbereich in Finnland. Im Namen der finnischen Regierung würdigte sie die Rolle der FUEN dabei, sicherzustellen, dass Sprachenrechte eine gemeinsame europäische Verantwortung bleiben. Sie hob Finnlands Bekenntnis zu seinen beiden Nationalsprachen hervor, das sich in parallelen finnisch- und schwedischsprachigen Bildungswegen von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschulbildung widerspiegele.

Nylander räumte ein, dass der Fremdsprachenunterricht insgesamt einen besorgniserregenden Rückgang verzeichne, und erläuterte die Gegenmaßnahmen der Regierung. Dazu gehören zusätzliche wöchentliche Unterrichtsstunden in Sprache und Literatur an Grundschulen, die Förderung zweisprachiger Immersionsprogramme sowie die Stärkung von Integrationsprogrammen innerhalb des schwedischsprachigen Bildungssystems. Darüber hinaus unterstrich sie die Bedeutung der Sicherstellung von Fernunterricht in den drei samischen Sprachen und wies darauf hin, dass die meisten samischen Kinder inzwischen außerhalb ihres traditionellen Siedlungsgebiets leben.

Mit Blick auf die übergeordnete Bedeutung dieser bildungspolitischen Maßnahmen schloss sie mit den Worten: „Die Verwirklichung dieser Rechte zeigt, wo wir als Gesellschaft stehen.“

Die Eröffnungssitzung wurde mit einem Vortrag von Christina Gestrin, Generalsekretärin des Folktinget, über die Stellung und Zukunft der schwedischen Sprache in Finnland fortgesetzt. Sie erläuterte, dass die schwedischsprachige Bevölkerung rund 5,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht und sich ihr Anteil stabilisiert habe. Dazu trage unter anderem bei, dass sich inzwischen fast 70 Prozent der zweisprachigen Familien für eine schwedischsprachige Bildung ihrer Kinder entscheiden.

Gestrin betonte, dass die finnische Verfassung dem Finnischen und Schwedischen den gleichen rechtlichen Status garantiert und den Bürgerinnen und Bürgern das Recht einräumt, öffentliche Dienstleistungen, Bildung und Gesundheitsversorgung in ihrer Muttersprache in Anspruch zu nehmen. Sie wies jedoch darauf hin, dass die praktische Umsetzung dieser Rechte weiterhin eine Herausforderung darstelle. Organisationen wie das Folktinget müssten sich daher aktiv für deren Wahrung einsetzen.

Darüber hinaus bezeichnete sie die sprachliche Vielfalt Finnlands als strategischen Vorteil. Das gemeinsame sprachliche und kulturelle Erbe mit den nordischen Nachbarländern trage dazu bei, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit in der Region zu stärken.

Mit der Eröffnungssitzung begann der 70. FUEN-Kongress und damit vier Tage voller Begegnungen und Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der autochthonen nationalen Minderheiten, Nationalitäten und Sprachgruppen Europas. Der Kongress dauert noch bis Sonntag, den 20. September.

Pressemitteilungen