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FUEN stärkt Austausch mit Politik und Minderheitenorganisationen im deutsch-dänischen Grenzland

Im Rahmen einer Besuchsreise nach Schleswig-Holstein sowie in das deutsch-dänische Grenzland hat FUEN-Präsidentin Olivia Schubert gemeinsam mit FUEN-Vizepräsident Bahne Bahnsen und FUEN-Generalsekretärin Éva Pénzes eine Reihe politischer Gespräche geführt und sich mit FUEN-Mitglieds- und Partnerorganisationen ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen der Minderheitenpolitik in Europa, die Situation der Minderheiten vor Ort sowie konkrete Herausforderungen im Alltag der Minderheitenarbeit.

Die Reise fand vom 23. bis 26. März statt und führte die Delegation nach Flensburg, Oeversee, Kiel, Bredstedt sowie Apenrade (Dänemark).

Den Auftakt bildete ein Austausch mit dem European Centre for Minority Issues (ECMI) in Flensburg. Im Gespräch mit Prof. Dr. Vello Pettai, Direktor des ECMI, sowie Dr. Andreea Cârstocea, Senior Researcher und Leiterin des ECMI-Bereichs „Equality and Inclusion“, ging es um aktuelle Entwicklungen der europäischen Minderheitenpolitik sowie um mögliche Anknüpfungspunkte für eine engere Kooperation zwischen ECMI und FUEN. Das Gespräch unterstrich das Potenzial einer stärkeren Verzahnung von Forschung und Praxis.

Am 24. März nahm die FUEN-Präsidentin an der Mitgliederversammlung des Minderheiten-Kompetenz-Netzwerks (MKN) im Akademiezentrum Sankelmark teil und nutzte die Gelegenheit, sich dem Netzwerk der nationalen und regionalen Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland vorzustellen. Im Verlauf der Sitzung präsentierte FUEN-Generalsekretärin Éva Pénzes in ihrer Funktion als bisherige MKN-Schatzmeisterin den Jahresabschluss sowie den Wirtschaftsplan für 2026. Im Anschluss wurde ein neuer Vorstand gewählt: Uwe Jessen wurde als Vorsitzender im Amt bestätigt, Gösta Toft folgte auf Éva Pénzes, und Matthäus Weiß übernahm die Vertretung der Sinti und Roma im MKN-Vorstand.

Ebenfalls am 24. März traf die FUEN-Delegation im Flensborghus Vertreterinnen und Vertreter des Sydslesvigsk Forening (SSF). Der SSF ist die kulturelle Hauptorganisation der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein und übernimmt zentrale Aufgaben als Kulturträger und Interessenvertretung. Gesprächspartner waren Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende des SSF, Kirsten Vognsen Weiss, stellvertretende Vorsitzende, Lasse Rodewald, Generalsekretär, sowie Rasmus Meyer, Pressesprecher des SSF. Thematisiert wurden unter anderem Fragen der Förderung, Medien und Geoblocking sowie das Verhältnis zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten. Zudem stand die Rolle von Begegnung und Austausch zwischen verschiedenen Minderheiten in Europa im Fokus.

Am 25. März führte die Reise nach Kiel. In der Staatskanzlei Schleswig-Holsteins tauschte sich die FUEN-Delegation mit Johannes Callsen, Minderheitenbeauftragter des Ministerpräsidenten, sowie Sonja Wolf, Referentin für Minderheitenpolitik, aus. Im Mittelpunkt standen die Problematik des Geoblockings, die Stärkung der Minderheiten im Medienbereich sowie Fragen des EU-Markenrechts. Konkret ging es um Fälle, in denen Begriffe aus Minderheitensprachen als Marken geschützt wurden und ihre freie Nutzung eingeschränkt ist. Zudem verwies Callsen auf das Digitalisierungsbeschleunigungsgesetz, bei dessen Umsetzung auch Regional- und Minderheitensprachen berücksichtigt werden sollen, und betonte die Unterstützung Schleswig-Holsteins für die Verankerung der nationalen Minderheiten im deutschen Grundgesetz.

Im Anschluss traf die Delegation im Schleswig-Holsteinischen Landtag Christian Dirschauer, Fraktionsvorsitzender des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW). Im Gespräch ging es um die aktuelle Situation der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Dabei wurde deutlich, dass vieles gut funktioniert, gleichzeitig aber weiterhin Herausforderungen bestehen, etwa bei der Nutzung von Minderheiten- und Regionalsprachen vor Gericht. Kritisch angesprochen wurde zudem die geplante Abschaffung der kommunalen Minderheitenberichte. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der europäischen Ebene und der Frage, wie vorhandene Einflussmöglichkeiten stärker genutzt werden können.

Am selben Tag besuchte die FUEN-Delegation das Friisk Hüs in Bredstedt/Bräist. Dort traf sie Marie Hahn, Vorsitzende der Friisk Foriining, Ilwe Boysen, Geschäftsführer, Ellin Nickelsen, Vorsitzende des Nordfriisk Instituut, sowie Ingwer Nommensen, Vorsitzender des Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord. Im Mittelpunkt stand das EU-Markenrecht, insbesondere der Fall „Öömrang“, bei dem der Name der friesischen Sprache auf Amrum markenrechtlich geschützt wurde. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass hier politischer Handlungsbedarf besteht. Darüber hinaus ging es um die aktuelle Lage der Friesen sowie um Herausforderungen wie die Nachwuchsgewinnung und die stärkere Einbindung junger Menschen.

Den Abschluss der Reise bildete am 26. März ein Besuch beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) in Aabenraa/Apenrade (Dänemark). Im Gespräch mit Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des BDN, und Uwe Jessen, Generalsekretär, wurden die Arbeit und Struktur der deutschen Minderheit in Dänemark vorgestellt. Ein Schwerpunkt lag auf dem geplanten Campus Apenrade, dessen Ausbau bis 2030 vorgesehen ist. Auf dem Gelände des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig sollen unter anderem ein Internat, zusammengelegte Kindergärten sowie gemeinsame Einrichtungen entstehen. Zudem erhielt die Delegation eine Führung durch das Haus Nordschleswig, bei der auch die Deutsche Büchereizentrale und Zentralbücherei Apenrade durch Büchereidirektorin Claudia Knauer vorgestellt wurde.

Die Gespräche verdeutlichten, dass viele Herausforderungen, von Medienzugang über rechtliche Fragen bis hin zur Sichtbarkeit von Minderheiten, weit über einzelne Regionen hinausgehen und auf europäischer Ebene adressiert werden müssen.

Die FUEN wird die gewonnenen Impulse in ihre weitere Arbeit einbringen und den Austausch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern sowie ihren Mitgliedsorganisationen weiter vertiefen.

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